Dynamische Rückliefervergütung ab 2027: was sich für Ihre Solaranlage wirklich ändert
Ab dem 1. Januar 2027 wird die Vergütung für Solarstrom, der ins Schweizer Netz eingespeist wird, viertelstundengenau berechnet, auf Basis der Day-Ahead-Spotpreise der Strombörse. Eine strukturelle Änderung — aber deutlich weniger brutal als vielerorts zu lesen ist, denn das Gesetz sieht für kleine Anlagen ein Sicherheitsnetz vor.
Was sich konkret ändert
Heute (seit dem 1. Januar 2026) beruht die Vergütung auf einem über das Quartal gemittelten Referenz-Marktpreis, berechnet vom BFE — ein System, das seinerseits die frühere Logik der vermiedenen Beschaffungskosten abgelöst hat.
Ab 2027 wird die Granularität auf die Viertelstunde verfeinert. Konkret:
- Mittags im Sommer: maximale Produktion, gesättigtes Netz, tiefe Preise — teils sogar negative
- Morgens, abends, im Winter: höhere Nachfrage, höhere Preise als heute
Anders gesagt: Der Wert Ihrer eingespeisten Kilowattstunde hängt künftig davon ab, wann Sie sie einspeisen, und nicht mehr von einem Durchschnitt, der alles geglättet hat.
Nein, Sie werden nicht fürs Einspeisen bezahlen
Das ist der Punkt, den die meisten Artikel verpassen, und er ist entscheidend.
Das Energiegesetz (Art. 15 EnG) legt eine garantierte Mindestvergütung fest:
| Leistung der Anlage | Garantierte Mindestvergütung |
|---|---|
| < 30 kW (typischer Wohnbereich) | 6 Rp./kWh |
| 30 – 150 kW | Degressiv, bis ~1,2 Rp./kWh |
| > 150 kW | Keine — voller Markt |
Der Mechanismus: Die Abrechnung erfolgt zwar viertelstundengenau, die Garantie gilt jedoch für den Quartalsdurchschnitt. Fällt dieser Durchschnitt unter die Untergrenze, zahlt der Netzbetreiber eine Mindestvergütungsprämie, welche die Differenz ausgleicht.
Direkte Folge für eine Wohnanlage unter 30 kW: Die Quartalsvergütung kann nicht negativ werden, auch wenn einzelne Viertelstunden es sind. Das Risiko, «fürs Einspeisen zu bezahlen», betrifft Anlagen über 150 kW und solche in der Direktvermarktung — nicht das Einfamilienhaus von Herrn und Frau Schweizer.
Zur Einordnung: Negative Preise machen rund 3,5 % der Stunden pro Jahr aus, im Wesentlichen an sonnigen Frühlings- und Sommerwochenenden.
Die eigentliche Herausforderung sind nicht die negativen Preise
Sie liegt anderswo und ist struktureller Natur: Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde ist 3- bis 5-mal so viel wert wie eine eingespeiste.
- Einspeisevergütung: ~6 bis 10 Rp./kWh
- Bezugstarif im Wohnbereich: ~30 Rp./kWh
Diese Differenz besteht heute, sie wird 2027 bestehen, und sie hängt von keiner Gesetzesrevision ab. Jede Kilowattstunde, die Sie vor Ort verbrauchen statt einzuspeisen, ist die am besten verwertete Kilowattstunde Ihrer Anlage. Der Wechsel zum dynamischen Tarif fügt lediglich eine zweite Optimierungsebene hinzu: wann der verbleibende Überschuss eingespeist wird.
Optimieren: Steuerung und Speicherung
Ein intelligentes Energiemanagementsystem wirkt auf beide Hebel:
- Steuerbare Lasten verschieben in die Produktionsstunden — Waschmaschine, Geschirrspüler, Ladung des Elektrofahrzeugs, Warmwasseraufbereitung
- Antizipieren über Wetterprognosen und die Gewohnheiten der Bewohner für Heizung, Klimatisierung und Wärmepumpe
- Speichern des Überschusses in der Batterie während der Preistäler, Rückgabe am Abend
- Abwägen der Einspeisung anhand des viertelstündlichen Preissignals
Zwei technische Voraussetzungen
Das Modell 2027 funktioniert nicht ohne Infrastruktur:
- Ein intelligenter Zähler, der viertelstundengenau messen kann — das ist eine Anwendungsbedingung des neuen Modells
- Ein Zugang zu den Day-Ahead-Preisen. Swissolar fordert ausdrücklich offene APIs für den automatisierten Abruf der Preise. Ohne nutzbaren Datenstrom ist keine automatische Steuerung möglich.
Bei casasmooth ist die Architektur lokal und modular: Die Steuerungslogik läuft bei Ihnen, sie integriert sich in bestehende Zähler und Wechselrichter und bleibt unabhängig von der Verfügbarkeit eines Cloud-Dienstes Dritter funktionsfähig. Ebenfalls zu erwähnen: Die Softwareschicht von casasmooth macht bestehende, nicht zertifizierte Geräte steuerbar, ohne sie zu ersetzen.
Im Auge behalten: Übergangsfrist und alternative Modelle
Zwei nützliche Nuancen:
- Nicht alle Netzbetreiber wechseln gleichzeitig. Eine Übergangsfrist läuft bis Anfang 2028.
- Die Netzbetreiber können alternative Modelle anbieten, etwa einen festen, von der Einspeisezeit unabhängigen Tarif, je nach kantonalen oder kommunalen Entscheiden. Es steht Ihnen frei, ein solches Angebot anzunehmen oder abzulehnen. Prüfen Sie, was Ihr Netzbetreiber anbietet, bevor Sie in eine feingliedrige Steuerung investieren.
Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) in Kürze
Seit dem 1. Januar 2026 erlaubt das Gesetz lokale Elektrizitätsgemeinschaften. In wenigen Zeilen:
- Das Prinzip: Mehrere Gebäude desselben Quartiers bündeln Produktion und Verbrauch. Der Überschuss eines Dachs versorgt den Nachbarn statt das Netz.
- Der Unterschied zum ZEV: Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) beschränkt sich auf ein Gebäude oder ein zusammenhängendes Ensemble hinter demselben Anschlusspunkt. Die LEG erstreckt sich über mehrere Gebäude derselben Gemeinde und nutzt das lokale Verteilnetz.
- Wer teilnehmen kann: Produzenten, Verbraucher und Speicherbetreiber, die auf derselben Netzebene innerhalb des definierten Perimeters angeschlossen sind.
- Der wirtschaftliche Nutzen: Der innerhalb der Gemeinschaft ausgetauschte Strom wird deutlich über dem Einspeisetarif verwertet und profitiert von einem Rabatt auf die Netznutzungskosten.
- Die Voraussetzung: intelligente Zähler, viertelstündliche Abrechnung und eine Verteillogik, die in Echtzeit zwischen Eigenverbrauch, lokalem Austausch und Netzeinspeisung abwägen kann.
Das ist die natürliche Ergänzung zum dynamischen Tarif: Je feiner und lokaler die Koordination, desto weniger sind Sie den Preistälern ausgesetzt.
Energie ist nur ein Baustein — casasmooth steuert das ganze Haus
Ein wichtiger Punkt, der in der Tarifdebatte oft untergeht: Energie zu optimieren ist nur dann interessant, wenn das System auch das Haus zum Laufen bringt. Eine Energiesteuerung, welche die Anwesenheit der Bewohner, das Tageslicht oder die Lebensszenarien ignoriert, schafft bloss Unbehagen.
casasmooth ist eine vollständige Orchestrierungsplattform für das Zuhause, aufgebaut auf Home Assistant, in der das Energiemanagement nur ein Modul unter anderen ist:
- Beleuchtung — Steuerung über Präsenzerkennung und Helligkeitsmessung, Szenarien pro Raum und Tageszeit
- Heizung und Klimatisierung — Regelung Raum für Raum nach tatsächlicher Belegung: kein Bewohner, keine Heizung
- Sicherheit und Präsenz — Erkennung, Alarme, Anwesenheitssimulation, Zutrittsverwaltung
- Storen, Rollläden und Beschattung — Abstimmung auf Sonneneinstrahlung und Wärmebedarf
- Elektromobilität — Lademanagement der Ladestationen mit Verteilung unter der Randbedingung der verfügbaren Leistung
- Komfort und Alltag — Multimedia, Saugroboter, Bewässerung, kontextbezogene Szenen
- Interoperabilität — native Matter-Bridge, Einbindung bestehender Geräte (KNX, Loxone, Zigbee, Modbus …) ohne Herausreissen der vorhandenen Installation
- Überwachung — Geräteinventar, Messung pro Steckdose, Backups, Watchdog, kontrollierte Updates
Zwei Architekturprinzipien strukturieren das Ganze:
Local-first. Ein casasmooth pro Wohnung, das diese Wohnung steuert. Die Logik läuft bei Ihnen, nicht in einer fremden Cloud. Fällt Ihre Internetverbindung aus, funktioniert Ihr Haus weiter.
Datensouveränität. Ihre Verbrauchs-, Präsenz- und Nutzungsdaten bleiben bei Ihnen. Das ist eine Designentscheidung, keine kostenpflichtige Option.
Die Energie profitiert direkt von dieser Integration: Das System weiss, wer da ist, welcher Raum belegt ist, welche Last verschiebbar ist und welche nicht. Genau das unterscheidet eine echte Steuerung von einer blossen Zeitschaltuhr.
Und danach: ein Netz, das mit seinen Teilnehmern spricht
Der dynamische Tarif ist erst ein Anfang. Die zugrunde liegende Logik ist die eines Netzes, das nicht mehr bloss im Nachhinein verrechnet, sondern Signale mit den angeschlossenen Anlagen austauscht — um Spitzen zu glätten, Überschüsse aufzunehmen und teure Netzverstärkungen zu vermeiden. Das Gebäude hört auf, ein passiver Verbrauchspunkt zu sein, und wird zum aktiven Teilnehmer.
Diese Entwicklung verlangt Geräte, die ein Signal empfangen und intelligent darauf reagieren können, ohne den Komfort der Bewohner zu opfern. casasmooth ist genau dafür gebaut: feine Messung, Kenntnis der Belegung, Hierarchie der verschiebbaren Lasten, lokale Steuerung. An dem Tag, an dem Ihr Netzbetreiber diese Art der Koordination anbietet, ist die Installation bereit — ohne zusätzliche Arbeiten.
Zusammengefasst
| Verbreitete Annahme | Realität |
|---|---|
| «Ab 2027 zahle ich fürs Einspeisen» | Falsch unter 30 kW: garantierte Untergrenze von 6 Rp./kWh auf dem Quartalsdurchschnitt |
| «Der dynamische Tarif ist die eigentliche Herausforderung» | Die eigentliche Herausforderung bleibt die Differenz Einspeisung / Bezug (6–10 gegenüber ~30 Rp./kWh) |
| «Man muss 2027 reagieren» | Die Steuerung des Eigenverbrauchs lohnt sich schon heute |
Der Wechsel zum dynamischen Preis ist weder eine Katastrophe noch eine Revolution: Er ist ein zusätzlicher Grund, den eigenen Verbrauch ernsthaft zu steuern. Anlagen mit einem intelligenten Managementsystem werden den Übergang durchlaufen, ohne daran zu denken — die anderen werden ihre Quartalsabrechnung mit etwas weniger Begeisterung entdecken.
Mit casasmooth und der Begleitung durch teleia für Installation und Integration in der Schweiz behalten Sie die Kontrolle über Ihre Energie — lokal.